USA - Route 66 (Juni)

Der Start in Chicago

Es ist mittlerweile etwa drei Jahre her, dass ich mich mit meinem Freund Nils auf meine erste große Reise begab. Die Route 66, endlose Weiten und der "American Way of Life", das ist in etwa das was wir beide erwarteten als es für mich das erste mal über den große Teich ging. Am Ende standen 7500km auf dem Tacho unseres Dodge Challenger (wie sonst sollte man die berühmte Straße befahren, als mit einer Harley Davidson oder mit einem amerikanischen Muscle-Car?!). Gestartet sind wir in Chicago, sodass wir uns, wie einst die Pioniere der Gründerzeit, in Richtung Westen vortasteten. Das Chicago von heute hat nicht mehr viel mit Gangstergeschichten, Großindustrie und schmuddeligen Ecken zu tun. Der erste Eindruck ist ganz anders als erwartet: Diese Stadt ist sehr sauber und modern. Die Parkanlagen zwischen den verspiegelten Hochhausfassaden werden unermüdlich gepflegt und es liegt kein Müll auf den Straßen herum. Der Hancock-Tower bietet einem einen wunderbaren Rundumblick mitten in Downtown und von dem Navy Pier hat man wiederum einen beeindrucken Blick auf die Skyline aus dem Lake Michigan heraus. Ganz besonders interessant fand ich es Downtown zu Fuß zu erkunden, denn an einigen Ecken standen alte Kirchen und modernste Hochhäuser direkt nebeneinander. Dieser Kontrast wirkte sehr surreal. Wenn die Beine irgendwann schwer werden, lohnt sich eine Fahrt mit einer der S-Bahn Linien, welche in einem Rundkurs durch Downtown fahren. Man bekommt wirklich atemberaubende Perspektiven zwischen den vielen Hochhausschluchten geboten. Das ganze auch noch authentischer und günstiger als eine gebuchte Stadtrundfahrt. Die folgenden S-Bahn Linien eignen sich dafür: pink line, brown line, purple line, orange line.

Auf der Route 66 durch Illinois und Missouri

Nach zwei Tagen Aufenthalt in Chicago ging es nun also los! Auf der Suche nach der legendären Route 66. Mithilfe unseres Route 66 Reiseführers hatten wir bald den Startpunkt gefunden, welcher durch ein Metallschild am Straßenrand kenntlich gemacht wurde. Es bewahrheitete sich, was wir schon zuvor gelesen hatten, es gibt kaum noch Originalstrecken dieser Straße. Viele Teile wurden in moderne Straßen eingegliedert oder existieren gar nicht mehr. Mithilfe des Reiseführers waren wir also auf einer Art Geisterjagt: Wir jagten die originale Wegführung, welche mit bloßem Auge nicht mehr zu sehen war. Allerdings erinnerten einige Wahrzeichen, wie der Gemini Giant, daran, dass damals die Diner am Wegesrand um Aufmerksamkeit buhlten. Mit Überquerung des wirklich riesigen Mississippi (der Rhein ist nichts dagegen) verließen wir den Staat Illinois und kam in St. Louis an. Die zweitgrößte Stadt von Missouri hatte auf den ersten Blick nicht sehr viel zu bieten. Sie machte halt den Eindruck einer typischen Großstadt des mittleren Westen. Allerdings einzigartig durch den Gateway Arch.

Mit dem Verlaßen von St. Louis wurde die Landschaft wilder. Missouri präsentierte sich waldreich, mit verschlungenen Pfaden und teilweise rauen Erhebungen. Es gab weniger Landwirtschaft und kaum noch gepflegte Kleinstadtatmosphäre wie in Illinois. Es passte eher zu den "Frontier" Geschichten der Gründerzeit, als die spießigen Vorstadtsiedlungen die wir auf unserer ersten Etappe gesehen haben.

Der Wilde Westen

Mit den darauf folgenden Staaten Kansas, Oklahoma und Texas kam "Wild-West" auf. Wieder einmal ändert sich die Landschaft grundlegend. Landwirtschaft prägt von nun an das Bild und weite offene Flächen taten sich vor uns auf. Hier muss es noch die wahren Cowboys geben! Der Ölreichtum dieser Region machte sich durch unzählige Ölfördertürme bemerkbar, die neben kleinen Farmhäusern aus dem Boden ragten. Die Städte Tulsa und Oklahoma City präsentierten sich als moderne Großstädte dieser Region. Rundherum war alles auf Viehzucht ausgelegt, sodass wir auch Stockyard City einen Besuch abstatteten. Hier gibt es viele "Cowboy Läden", Restaurants mit frischen Rindfleisch und vor allem werden hier auch die Viehauktionen der Farmer aus dem Umland abgehalten. Kommt man zur richtingen Zeit, kann man erleben, wie Großgrundbesitzer mit Vieh handeln wie an der Börse. Dies mag nicht jedermanns Sache sein, aber so kann man einen Einblick gewinnen wie eben dies abläuft. Wer schon einmal hier ist, sollte im Cattlemen's Steakhouse essen gehen. Dafür muss man allerdings oft Wartezeit mitbringen, weil es eben DAS vorzeige Streakhouse mit dem besonderen Wild-West Flair ist.

Die Rocky Mountains

Nun folgte ein Abstecher Richtung Norden, abseits der Route 66. Es ging in die Rocky Mountains mit Endstation Denver für diese Etappe. Absolut Empfehlenswert ist in dieser Region der Great Sand Dunes National Park. Die Hauptattraktion dort sind natürlich die riesigen Dünen, welche durch ständige Winde an den Südrand der Rocky Mountains gedrückt werden. Von jetzt auf gleich ist man in einer anderen Welt. Man kann bis tief in die Dünenlandschaft hineingehen und man fühlt sich als stände man inmitten der Sahara, mit nichts als Sand um einen herum. Allerdings sorgt hier das umliegende Gebirge für einen starken Kontrast in der Landschaft, was sehr surreal wirkt. Neben Ausflügen in die Dünen kann man hier auch im umliegenden Gebirge verschieden lange Wanderungen in die raue Natur unternehmen. Hier kann man durchaus großen Hirschen begegnen, wie es uns passiert ist. Nach ein bis zwei Stunden Wanderung erreicht man eine Höhe, von der aus sich ein atemberaubender Blick auf das Flachland inklusive Dünen bietet. Dieser Nationalpark ist absolut empfehlenswert!

Nachdem wir diese surreale Umgebung wieder verlassen haben ging es weiter in Richtung Norden! Der Rocky Mountains Nationalpark wartete auf uns. Während der Anfahrt merkte man schon, dass es immer weiter aufwärts ging. Das Thermometer sank von knapp 30° Celsius auf 8° Celsius im Gebirge. Dies machte sich auch äußerlich durch Schneebedeckte Gipfel und vereinzelten kleinen Schneefeldern neben der Straße bemerkbar. Wir haben beide geschmunzelt, als wir am Ende des Tages auf den Bildern die Dünenlandschaft  des Great Sand Dunes National Park und die Passstraßen entlang schneebedeckter sahen. Der Rocky Mountains Nationalpark ist wunderschön zum Wandern und Natur genießen. Wir fuhren eine Art Rundtour ab, bei der wir einige Stops machten um die Umgebung zu erkunden. Neben Dickhornschafen und Erdhörnchen gibt es hier vor allem eine wunderschöne Aussicht zu genießen. Leider war diese etwas von einem nahegelegenen Waldbrand getrübt, wie man auf den Bildern erkennen kann.

Endlose Weite in Arizona

Von Denver aus ging es über die Interstate 25 schnell wieder zurück in unsere ursprüngliche Richtung entlang der Route 66. Über New Mexico kamen wir nun in Arizona an. Dieser Bundestaat ist wirklich wunderschön und besticht mit atemberaubenden Farbspielen in weiter Ebene. Hier besuchten wir den Petrified Forest Nationalpark, in dem man jahrtausende alte versteinerte Baumstämme betrachten kann. Ich muss sagen, dieser Teil des Nationalparks hat mich nicht so sehr interessiert. Vielmehr waren es die bildgewaltigen Landschaften, welches sich entlang der einsamen Straße präsentierten. Endlose weite mit bizarren Fels- und Farbformationen machten diesen Abstecher zu etwas ganz Besonderem! Natürlich besuchten wir den nördlich von Flagstaff gelegenen Grand Canyon, denn wer einmal dort in der Nähe ist sollte sich das auf keinen Fall entgehen lassen! Zum Grand Canyon selbst schreibe ich hier nicht viel. Es geht sehr geschäftig zu, alle Touristen aus der Umgebung nehmen diesen Stop auf ihren Routen durch den Westen der USA mit. Wir hatten Glück, dass wir schon relativ früh am Nachmittag dort waren, so konnten wir uns einen Platz in den Felsen, sehr nah über dem Abgrund sichern. Kurz vor Sonnenuntergang füllen sich die Plätze entlang der Südkante des Canyon mit Menschenmassen. Wer einen guten Platz haben möchte MUSS früh da sein! Uns überraschte, wie frei man sich entlang der Kante des Canyon bewegen konnte. Es gibt wenig Beschränkungen und Zäune, sodass es sich grade für Fotografen lohnt schon vorher einen schönen Platz auf einem Felsen auszusuchen.

Nevada und Kalifornien

Den Grand Canyon im Rücken näherten wir uns nun schon fast dem Ende unserer Reise. Aber bevor wir das Ende der Route 66 am Santa Monica Pier in Los Angeles betrachten sollte, ging es noch zu einem Abstecher nach Las Vegas. Auf dem Weg dorthin passierten wir den riesigen Hoover Dam, welcher die Grenze zwischen Arizona und Nevada markiert. Für Las Vegas habe ich hier leider keine Bilder die ich präsentieren kann. Nach unserem zweitägigen Aufenthalt dort folgte unsere letzte Etappe durch den Bundesstaat Californien. Irgendwann kamen wir dann nach insgesamt 7500km am Endpunkt der Route 66 auf dem Santa Monica Pier in Los Angeles an. Die letzten Tage in Los Angeles genoßen wir meistens am schönen Santa Monica Beach. Ansonsten war ich eher enttäuscht von Los Angeles, denn es war dreckiger als z.B. Chicago und hatte auch so irgendwie nicht so viel zu bieten. Dies spiegelte sich auch auf dem Hollywood Strip wieder: Unglamourös, dreckig und vom Massentourismus verseucht.

 

Fazit dieser Tour: Die Route 66 war nur der rote Faden dieser Reise, schnell verlagerte sich meine Aufmerksamkeit auf die vielfältige der Landschaft welche besonders durch Weite und Einsamkeit geprägt ist.