Sizilien 2014 (August)

Natur Pur in der Cavagrande Schlucht

Meine Freundin und ich waren nur im südöstlichen Teil von Sizilien unterwegs und können deshalb leider keinen kompletten Erfahrungsbericht für die gesamte Insel schreiben. Da wir hier aber nur knapp eine Woche verbracht haben, wäre es auch gar nicht möglich gewesen Sizilien komplett zu erkunden. Schonmal vorab: Der große Tourismusboom scheint auf Sizilien noch nicht ganz angekommen zu sein. Diese Tatsache machte unsere gesamte Tour zu einem besonders authentischen und günstigen Erlebenis (insbesondere Restaurants).

Wie wir es eigentlich fast immer machen, haben wir uns einen Mietwagen genommen, um möglichst viel von Land und Leuten kennenzulernen. Am Flughafen in Catania gelandet, haben wir den Mietwagen übernommen und sind direkt nach Süden gefahren. Unser erster wunderbarer Stop war das Naturschutzgebiet Riserva Naturale orientata Cavagrande del Cassibile. Der Cassibile Fluss hat hier eine Art Canyon geschaffen, den man in einer etwa einstündigen Wanderung hinabsteigen kann. Die oft steilen Wege sind bei Hitze nicht ganz unanstrengend, aber der Ausblick lohnt allemal! Unten angekommen, geht man noch einige Meter durch einen teilweise dichten mediterranen Bewuchs. Der harte Abstieg wird spätestens dann belohnt, wenn man sich an einem der natürlichen Wasserbecken in die Sonne legt und ins kristallklare Wasser blickt. Leider wissen auch viele andere sonnenhungrige Wanderer, dass im Tal ein erfrischendes Paradies wartet. Man ist hier also sehr wahrscheinlich nicht ganz für sich alleine.

Mediterranes Flair in Syrakusa und Noto

Die erste Nacht haben wir in der Hafenstadt Syrakusa verbracht, leider ließ es der Zeitplan nicht zu, dass wir genug Zeit hatten um diese Stadt zu erkunden. Syrakusa stimmte uns mit seinen engen Gassen und großen Plätzen schon auf das mediterrane Lebensgefühl hier in Süditalien ein. Wir hatten dort über AirBnB ein privates Zimmer gemietet, welches einen ganz eigenen Einrichtungsstil besaß. Das Etagenbett "Marke Eigenbau", mit darunter befindlicher Kochzeile, war echt ein Highlight. Etwas schwierig gestaltete sich die Parkplatzsuche auf der Isla di Ortigia. Nachdem wir einige Runden auf der kleinen Altstadtinsel gedreht hatten, fanden wir endlich einen Parkplatz, der allerdings noch bezahlt werden musste. Die Preise dafür habe ich leider nicht mehr im Kopf.

Am nächsten Tag stand als erstes das Städtchen Noto auf dem Programm. In dieser Stadt merkte man, dass der Tourismus langsam aber sicher Einzug hält. Einige Souvenirläden und Straßenmusiker buhlen um die Aufmerksamkeit der Touristen, allerdings kam noch kein unangenehmes Gefühl der Hektik auf. Hier sind wir ein wenig durch die Straßen geschlendert und konnten uns in einer Kirche ansehen, wie eine Nonne das goldene Kircheninventar polierte. Nach einem Espresso (für 50 Cent) ging es dann weiter in Richtung Natur.

Strandtag in Vendicari

Nachdem wir von dem ersten Naturreservat (Riserva Naturale orientata Cavagrande del Cassibile) so begeistert waren, machten wir uns auf ins Riserva naturale orientata Oasi faunistica di Vendicari. Dort sollten uns einige Flamingos erwarten, die sich in diesem Küstenabschnitt aufhalten. Nachdem wir dort auf einem Parkplatz unseren Mietwagen abgestellt hatten, ging es Richtung Strand. Der Strand war, wie man so schön sagt, grundsolide. Mehr aber auch nicht. Er hatte keine Besonderheiten, sondern war so, wie man sich einen Durchschnittsstrand vorstellt. Gespickt mit Sonnenschirmen und Handtüchern musste man sich seinen Weg bahnen, bis man an eine Stelle gekommen ist. Der Strand war nicht überfüllt und es waren nach meinem Eindruck 90% Einheimische dort. Der Sand und das Wasser waren angenehm, man konnte in der Sonne liegen und ins Meer springen um sich zu erfrischen. Allerdings sind wir ja nicht nur wegen des Strandes hierher gekommen. Wo sind die Flamingos? Wir begaben uns auf eine Wanderung durch die Dünen, etwas abseits ins Hinterland. Nichts zu finden, außer von Büschen bewachsene Dünen. Auch unser Aussichtspunkt auf einer größeren Erhebung brachte keine Erkenntnis über Flamingos, geschweige denn irgendwelche anderen Tiere. Fazit: Für einen reinen Strandtag kann man hier auf jedenfall Zeit einplanen. Wer aber Natur und Einsamkeit sucht, ist hier, anders als erwartet, etwas fehl am Platz (Dies ist nur eine Momentaufnahme von uns als einmaliges Erlebnis. Vielleicht haben wir etwas übersehen oder waren zur falschen Zeit am falschen Ort).

Das authentische Landesinnere

Nun geht es weg von der Küste ins Landesinnere. Der Mietwagen musste einiges aushalten! Die Landschaft wurde zunehmend hügeliger. Sanfte, aber respekteinflößende Erhebungen taten sich vor uns auf und der kleine Renault Clio hatte einiges zu tun. Schmale Straßen schlängelten sich bis zur hoch gelegenen Stadt Enna, von der aus man einen wundervollen Rundumblick aufs gesamte Umland hatte. Hier war kaum noch was von Tourismus zu spüren. Dies machte sich vor allem bei den Preisen in den Restaurants bemerkbar (Vorspeise, Hauptgericht, Karaffe Wein mit einer Flasche Wasser für zwei Personen für unter 30€). Je weiter man von der Küste weg war, desto günstiger und ursprünglicher wurde es. Der Nachteil war allerdings, dass man sich sogar kaum noch in englischer Sprache verständigen konnte. Die Fotos zeigen einen Ausblick, den man von Enna auf das Umland hat.

Der Etna

Am nächsten Tag wartete der Etna auf uns. Die Anfahrt über die Kurvenreiche Straße, hoch zu den Parkplätzen, war schon spektakulär. Die Landschaft wandelte sich, aus grün wurde schwarz. Überall um uns herum taten sich weite Geröllfelder aus Lavagestein hervor. Vor und hinter uns die vielen Ausflugsbusse, welche das selbe Ziel ansteuerten wie wir. Am Parkplatz angekommen, wurde es sehr wuselig. Überall um uns herum luden die vielen Reisebusse Menschenmassen ab. Wir waren schon am Vormittag dort, da im Laufe des Tages die Sicht immer diesiger werden sollte. Von den Parkplätzen aus, konnte man verschiedene Touren hoch zum Etna buchen. Das günstigste wäre ein Fußmarsch hinauf, jedoch kann ich dies nur Leuten mit viel Zeit und Ausdauer empfehlen. Wir buchten also die Gondel, welche uns zur nächst höheren Ebene hinaufbrachte. Die war nicht grade günstig, aber wenn man schonmal da ist, dann sollte man sich den Etna auch nicht entgehen lassen. Die fahrt mit der Gondel war ganz interessant, aber die alten Kabinen waren schon sehr mitgenommen und die Fenster ausgeblichen. Oben angekommen sind wir ein bis zwei Stunden umhergewandert. Auf den ersten Blick ist hier nichts außer Lavagestein soweit das Auge reicht. Allerdings findet man auch den ein oder anderen kleinen Bewohner wie Marienkäfer oder scheinbar sehr widerstandsfähige Blumen. Wer ganz bis zum Gipfel will muss noch einmal draufzahlen und man wird in Geländebussen hochgefahren. Der Etna gehörte nicht zu unseren besonders außergewöhnlichen/ spektakulären Erlebnissen wären des Trips. Es kommt vielleicht auch darauf an, was man erwartet und was einen interessiert. Für mich war es einfach nur eine hügelige Landschaft die auf Lavageröll besteht.

In Richtung Zafferana Etnea ging es mit dem Mietwagen wieder hinab zum Fuße des Etnas. Die Landschaft wurde wieder grüner und man konnte während der gesamten Fahrt eine schöne Aussicht in Richtung Küste genießen. Zafferana Etnea ist ein typisches sizilianisches Städtchen am Fuße des Etna. Man kann hier ein Eis essen gehen, eine der vielen Kirchen besichtigen oder einige schön angelegte Parkanlagen betrachten. Ideal für einen kurzen Zwischenstop zur Mittagszeit.

Am Fuße des Etna umfahren wir diesen riesigen Vulkan in Richtung Norden. Die Landschaft ist wunderschön, immer den Gipfel im Hintergrund durchfahren wir kleinere Ortschaften und große Weinanbaugebiete. Der fruchtbare Boden und die Hanglage hier sorgen für wunderbare Möglichkeiten des Weinanbaus. Über Serpentinen erreichen wir Castiglione di Sicilia, man kann diese Stadt schon bei der Anfahrt überblicken.

Die Alcantara Schlucht

In der Nähe von Castiglione di Sicilia befindet sich die Alcantara Schlucht. Hier erwarten einen bizarr ausgewaschene Felsen, die man bestaunen kann, wenn man durch den bis zu ein Meter tiefen Fluß watet. Ich fand der Ausflug hat sich gelohnt, an heißen Tagen kann man sich hier im Schatten der Schlucht beim baden erfrischen. Die steilen Wände der Schlucht machen den Aufenthalt zu einem einmaligen Erlebnis, man kann mehrere hundert Meter Flußaufwärts gehen.

Catania

Der letzte Stop unserer Reise bereitete uns vielleicht schon wieder auf das Großstadtleben in Köln vor. Aber auch nur fast. Denn Catania ist mit knapp über 300.000 Einwaohner zwar die zweitgrößte Stadt Siziliens, aber nicht vergleichbar mit deutschen Städten. Es ist eben eine typisch mediterrane Stadt, enge Gassen, Märkte und viele Sehenswürdigkeiten aus der römischen Zeit. Wie zu erwarten ging es deutlich geschäftiger zu und der Straßenverkehr war aufgrund seiner eigendynamischen Verkehrsteilnehmer mit Vorsicht zu genießen. Um hier ein paar entspannte letzte Tage zu verbringen hatten wir also schonmal unseren Mietwagen zurückgebracht und nutzten fortan das ÖPNV Netz. Das funktionierte auch soweit ganz gut, sodass wir nicht einmal den Dienst eines Taxifahrers in Anspruch nehmen mussten. Man konnte viel erkunden, aber wir sind beide eher die Naturliebhaber und legten deshalb nicht so viel Wert auf das Angebot an historischen Sehenwürdigkeiten. Wir besuchten zwei kleinere Amphitheater bei denen man durch die dunklen unterirdischen Gänge laufen konnte, wie einst die Gladiatoren. Um ehrlich zu sein, war das wirkliche Highlight in Catania unsere Mietwohnung, bzw. die Aussicht von dort. Wir hatten eine Dachterasse auf der man Abends einen großteil der Stadt überblicken konnte. Ein Abendessen dort mit Pizza und Wein bei Sonnenuntergang, ein Traum!